07.01.2016 - Überwindung sexualisierter Gewalt muss gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein - Alle sind gefordert!

Anlässlich massiver sexualisierter krimineller Ausschreitungen von Männern gegen Mädchen und Frauen in der Öffentlichkeit der Silvesternacht in Köln, Stuttgart, Hamburg, Bottrop und Berlin erklärt der Deutsche Frauenring:

Seit Jahrzehnten ist genderbasierte sexualisierte Gewalt gegen Mädchen, Frauen, Lesben, Schwule, Trans*- und Inter*- Menschen (LGBTI) bekannt. Sie ist laut der Hilfe- und Schutzinstitutionen, Kriminalstatistiken- obgleich die nicht umfangreich genug geführt werden- zuletzt nach einer Studie der Europäischen Union so weit verbreitet wie eine Pandemie. Auch wenn sich Muster ändern, müssen die Gesellschaft und ihre Instanzen bereit sein, zu intervenieren. Es mag Überraschungseffekte geben; die eine Intervention zum Schutz der Betroffenen verzögert. Das jetzt bekannt werdende Ausmaß des Unvermögens der Polizei macht die bekannten Defizite sichtbar.

Wie wenig Bereitschaft und Einsicht vorhanden ist, uneingeschränkt für die Betroffenen zu handeln, zeigt etwa die hinausgezögerte Ratifizierung des Übereinkommen des Europarats zur "Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt" (Istanbul Konvention). Vier Jahre nach Inkrafttreten hat die Deutsche Regierung immer noch nicht ratifiziert. Dabei ist Freiheit von Gewalt das menschen-, frauen- und grundrechtlich garantierte Recht und Ziel. Sexualisierte genderbasierte Gewalt schädigt uns Bürger/innen in unserem sozialen Gefüge generationsübergreifend.

Die konsequente Abschaffung genderbasierter Gewalt, die von Männern aller Einwohnergruppen ausgeübt wird, ist kein Partikularinteresse: sie ist gesamtgesellschaftliches Gebot. Zu Recht erwarten wir endlich Erfolge. Dazu sind effektiv geschulte, einsatzfähige Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichte und Mitmenschen, die nicht wegsehen, sowie ganzheitliche Maßnahme- und Finanzpakete wie Gesetze nötig. Männer müssen deutlich erkennbarer gegen genderbasierte Gewalt und männliche Bevorteilung eintreten. Es darf keinen Genderbonus, keinen Spielraum mehr für männliche Täter, keine Nachlässigkeit gegenüber diesen Straftaten geben. Bislang ist Deutschland von einem 0-Toleranz-Konsens weit entfernt. Das nutzen Täter aus. Dabei ist ihre Herkunft ziemlich egal.

Die Erfahrung von Frauen, LGBTI oder Angehörigen anderer Minderheiten in solchen Fällen in Frage zu stellen, ist eine alt her(r)gebrachte, sexistische Strategie. Es ist gut und sollte selbstverständlich sein, wie nun Minister/innen und Polizeigewerkschaft eine strikte, umfassende Aufklärung und Bestrafung fordern.

Unsere Gesellschaft ist nicht erst seit dieser Silvesternacht gefragt, sich solidarisch mit den Opfern und Überlebenden sexualisierter Gewalt zu zeigen und diese in Zukunft auch durch eindeutige Botschaften und Handlung zu unterbinden.

Wenn uns allen Gleichstellung und Gleichberechtigung wirklich wertvoll ist, müssen alle Männer und Frauen aus Zivilgesellschaft und Staat beweisen, dass dies ernst gemeint ist. Sicherheit und Freiheit im privaten wie öffentlichen Raum sind ein hohes Gut und müssen gleichermaßen für alle geschützt, gewahrt und immer wieder von allen zivil und stringent verteidigt werden.

 

V.i.S.d.P.

DEUTSCHER FRAUENRING e.V.

Präsidium

Anschrift DFR-Bundesgeschäftsstelle:

Brandenburgische Str. 22

10707 Berlin

Tel.: 030-88 71 84 93 Fax: 030-88 71 84 94

www.d-fr.de;

Pressekontakt: Marion Böker E-Mail: marion.boeker@d-fr.de

 

Die PM finden Sie hier auch als PDF.

Ein gute Zusammenstellung zum Diskurs in der Presse bitte diese Aufstellung.

Artikelaktionen
Unsere Projekte

Logo_Gv.png

Frauen kommunal aktiv

Hilfetelefon